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Antikes Chios (Ionische Zeit – Klassik – Hellenismus von 1000 BC - 80 BC)
  

Antike Amphoren

Um 1.000 v. Chr. ließen sich die ersten Griechen im Nordosten des heutigen Griechenlands und in Kleinasien nieder. Sie nannten sich Ionier und stammten aus Bötia, Attika und vom westlichen Peloponnes. Die Ionier besiedelten die Inseln Chios und Samos und errichteten zehn Städte entlang der kleinasiatischen Küste. Später gründeten sie den Dodekapolis, den sogenannten Zwölferbund, der sich aus Städten und Inseln zusammensetzte. Das Panionion war das Zentralheiligtum dieses Bundes und eine Kultstätte für den Gott Poseidon. Es lag in der Nähe von Mykale. Herodot nannte den Zwölferbund auch Koinon, was eine Gemeinde und politische Form des Zusammenschlusses im alten Griechenland bezeichnete.

Die Ionier erschlossen schnell ganz Chios, so dass sich in vielen literarischen Quellen die Namen der damaligen Siedlungen wie Kardamyle, Kavkas, Koila, Volissos, Notion, Phana, Poseidon oder Lefkonion überliefert finden. Unter ihrer Herrschaft erblühte die Insel und wurde zu einer ernst zu nehmenden Seestreitkraft. Im ganzen Mittelmeerraum wurden Münzen aus Chios gefunden. Neben dem Mastix war auch Ariousios Oinos, der chiotische Wein, sehr bekannt. Er war einer der teuersten Weine im antiken Griechenland. Diese beiden Ressourcen brachten der Insel Wohlstand und Ruhm.

 
Antike Schüsseln mit Verzierungen

Im 6. Jahrhundert v. Chr. lebten in der Hauptstadt von Chios 60.000-80.000 Einwohner, die Sklaven nicht mitgezählt. Am Anfang hatten die Ionier hier eine Monarchie etabliert. Historische Überlieferungen berichten von Königen wie Hektor oder Hippoklos. Ausgrabungen in der Akropolis förderten den ehemaligen Herrschaftssitz, Megaron genannt, zutage.

Eine Inschrift aus dem 6. Jahrhundert v. Chr. berichtet von einem Staatskörper, der zunächst nach den Prinzipien einer moderaten Oligarchie oder Demokratie errichtet war. Hier wurde zum ersten Mal in der hellenischen Welt der Begriff „Parlament“ benutzt. Das Parlament bestand aus zwei Räten. Einer setzte sich aus demokratisch gewählten Bürgern jedes Stammes (phyle) zusammen, der andere bestand aus ausgewählten Adligen. Wahrscheinlich hatten die Chioten in der Mitte des 7. Jahrhunderts v. Chr. die Monarchie abgesetzt und sie durch diese typisch griechische Staatsform ersetzt. So genossen sie politische Stabilität, Reichtum und Wachstum.

 
Antike Krüge

Zeus Pelinnaion war die Schutzgottheit der Chioten. Gottesdienste zu seinen Ehren fanden im ehrwürdigen Kloster auf dem Pelinnaion statt, das Inschriften zufolge von Nachfahren der Klytidoi geführt wurde. Neben Zeus wurde auch die Göttin Athene in einem Tempel in Chios-Stadt angebetet. Das Kloster des Apollon in Phana war eines der berühmtesten der Antike.

Doch all der Wohlstand wurde 493 v. Chr. zerstört, als die Perser Chios eroberten und die Insel verwüsteten. Vom Norden aus überfielen sie Chios, indem sie mit ihrem Heer eine Phalanx bildeten. Der Historiker Herodotes berichtete davon, dass die Perser „Jagd auf alle Bewohner machten. Sie entzündeten die Klöster, zerstörten die Weinberge und lieferten Gefangene scharenweise dem persischen König aus.“

 
Antike Vase

Während der Seeschlacht von Mykale (479 v. Chr.), die im Rahmen der Perserkriege stattfand, rebellierten die Chioten. Sie erlangten die Unanhängigkeit und wurden ein Mitglied der Liga von Athen. Ein halbes Jahrhundert in Frieden verstrich, bis der Peloponnesische Krieg ausbrach. Von Anbeginn des Krieges bis zur Eroberung Griechenlands durch Alexander den Großen litt Chios unter großer politischer Instabilität. Im Jahre 332 v. Chr. ordnete der Eroberer in einem Brief an die Chioten die Wiedererrichtung der Demokratie, das Erlassen neuer Gesetze und die Änderung der existierenden Gesetzgebung im Einklang mit der neuen Regierung an. Er wies die Chioten auch an, seiner Flotte 20 ihrer Ruderboote (griechisch: Triremes) zur Verfügung zu stellen und eine mazedonische Garnison auf der Insel einzurichten. Die geschwächte Rolle des unabhängigen Stadtstaaten zu dieser Zeit ist allzu offensichtlich. Nach dem Tod Alexanders wanderte Chios in den Besitz Mazedoniens über. Später herrschten hier Ptolemy I., die Selefkiden und die Könige von Pergamon.

 
Münzen

Die Chioten begrüßten die Ankunft der Römer in Griechenland. Sie gingen eine Allianz mit ihnen ein, um die syrischen Selefkiden 190 v. Chr. von der Insel zu vertreiben. Daher genossen die Römer bei den Chioten großes Ansehen. Während der Kaiserzeit besuchten Tiberius und wahrscheinlich auch Nero die Insel. Viele Inschriften lobpreisen die römischen Gesetze und Wohltaten. Doch die Römer plünderten die Kunstwerke von Chios. Eine Serie von Erdbeben komplettierte die Zerstörung.

Schließlich schaffte der römische Kaiser Vespasian die Unabhängigkeit von Chios 70 n. Chr ab. Ein wirtschaftlicher Verfall setzte ein, der bis zum Ende des 1. Jahrhunderts n. Chr. andauerte. Einige Aktivitäten wie der Weinanbau hatten jedoch auch in dieser Zeit Bestand.
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